"Wege für eine wirksame Förderung von erneuerbarem Strom"

Aktueller hätte das Thema der UFS-Feierabendveranstaltung vom 26. Mai 2011 nicht sein können, hatte doch der Bundesrat am Vortag den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Auch in vielen anderen Ländern steht Energie hoch auf der politischen Agenda. Heute ist klar, dass die neuen erneuerbaren Energien in Zukunft eine wichtige Rolle in der Stromversorgung spielen werden, wobei insbesondere die Solarenergie ein grosses Zukunftspotential hat. "Trotzdem," sagt die Referentin Dr. Sonja Lüthi, "ist der Anteil von erneuerbarem Strom an der Gesamtstromproduktion noch sehr gering und insbesondere grosse Energieversorger sind sehr zögerlich mit Investitionen in erneuerbare Energiequellen."


10 Jahre Erfahrung

Zuerst präsentierte Sonja Lüthi Forschungsergebnisse über die Wirkung von politischen Fördermechanismen in  verschiedenen Ländern . Als Beispiele führte sie Deutschland, Griechenland und Spanien auf. In allen drei Ländern sind zwischen 2000 und 2005 entsprechende Energiegesetze eingeführt worden. Während die Einspeisevergütung in allen drei Ländern ähnlich hoch war, war deren Wirkung extrem unterschiedlich: Während 2007 in Deutschland bereits mehr als 1000 Megawatt installierte Solarleistung zur Produktion von erneuerbarem Strom zur Verfügung standen,  kam das sonnenverwöhnte Griechenland auf knapp 7 Megawatt. In Spanien sind 2007 die installierten Leistungen von Solarzellen monatlich um bis zu 40 Megawatt gestiegen; bei Erreichen des Deckels und somit der Unklarheit über die Fortsetzung der Förderung, sank diese Grösse sofort auf weniger als 3 Megawatt ab. Weiter zeigen die vergangenen Entwicklungen, dass die installierte Leistung einen direkten Einfluss auf die Reduktion der Modulkosten hat: Mit einer Verdoppelung des verkauften Volumens sinken die Modulkosten um 15-20%.

                                                                                                

Gewinn - Risiko - Rendite

Weiter hatte Sonja Lüthi Solar- und Windprojektentwickler befragt um zu analysieren, welche Politikfaktoren ihre Investitionsentscheide beeinflussen und von welcher Bedeutung diese sind. Gewinn bringende Faktoren sind die Höhe und die Dauer der Einspeisevergütung. Als Risikofaktoren gelten u.a. die  Stabilität der Förderpolitik, eine Deckelung der Fördergelder und die Effizienz des administrativen Prozesses. Für den grössten Teil  der Solarenergieprojektentwickler hatte die Dauer der Verfahren den grössten Einfluss bei der Wahl des Investitionslandes, erst an zweiter Stelle rangiert die Höhe der Einspeisevergütung. Das erklärt den hohen Stand an installierten Anlagen in Deutschland, wo die Gewinnfaktoren nur als mittel bis genügend bezeichnet werden können. Die günstigen Risikofaktoren heben das auf. Umgekehrt werden in Griechenland trotz der konstanten Sonneneinstrahlung, den hohen und langjährigen Einspeisevergütungen und dem Fehlen eines Deckels kaum Solaranlagen gebaut, weil die administrativen Prozesse unvorhersehbar und verworren sind. „Um die energiepolitischen Ziele zu erreichen, müssen die Förderinstrumente das Verhalten der Investoren beeinflussen“, sagt Sonja Lüthi, "seien das Grossinvestoren oder Hausbesitzer".

 

Politische Massnahmen für einen schnellen Übergang  zu den erneuerbaren Energien

„Für einen Übergang in eine dezentrale und nachhaltige Stromversorgung braucht es die richtigen politischen Weichenstellungen und den Blick für das Gesamtsystem“. Sonja Lüthi hat fünf essentielle Massnahmen definiert.  Als erstes muss eine gute Planbarkeit mit geringen Risiken geboten werden, d.h. planbare Bewilligungsverfahren und eine langfristige konstante Förderung ohne Deckelung. Als zweites müssen Interessenkonflikte mit Klima-, Gewässer- und Landschaftsschutz sowie der Raumplanung konstruktiv und abschliessend gelöst und dies den Investoren kommuniziert werden. Dies kann z.B. in Richtplänen festgehalten werden. Drittens sind die Geschäftsmodelle der Energieversorger so anzupassen, dass für diese ein Anreiz besteht, erstens mehr erneuerbaren Strom in ihr Produktionsportfolio einzubauen und zweitens die Stromkunden zu Energieeffizienz zu bewegen. Ersteres könnte durch die Einführung  eines Basisstrommixes mit höherem Anteil an erneuerbarem Strom geschehen, letzteres durch die Entkoppelung von Unternehmensgewinn und Stromverkauf. Als viertes muss die Erneuerung und der Umbau der Netzinfrastruktur angegangen werden. Zukünftige Netze haben zwei Richtungen und dienen dem Ausgleich von Spitzen. Fünftens sind die Förderinstrumente in langfristige Systeme zu überführen. „Die fixe Einspeisevergütung  ist ein sehr effektives Instrument, um eine Technologieentwicklung in einer geschützten Werkstatt  voranzutreiben, im Sinne eines funktionierenden und effizienten Energiemarktes ist sie allerdings nur eingeschränkt zu gebrauchen.“ Die Vergütungshöhe muss den stetig sinkenden Gestehungskosten für Solarstrom angepasst werden. Während in der Schweiz die Netzparität (Erzeugungskosten = Kosten Haushaltstrom) noch etwas auf sich warten lässt, ist dies in Süddeutschland Dank tieferer Einspeisevergütung ohne Deckelung schon Realität.  

 

Wir sind auf dem Weg in die erneuerbare Stromzukunft. Die Technologieentwickler und Investoren bewirtschaften die neuen Geschäftsfelder fleissig. Welche Gesellschaft einen Umweg nimmt und welche die Abkürzung, hängt nun von der Politik ab.  (ak)              


Dr.oec. (HSG) Sonja LüthiFrau Dr. Sonja Lüthi studierte in Fribourg und Montreal Geografie mit den Nebenfächern Wirtschaft, Umweltwissenschaften, Geologie und Französisch und absolvierte die Ausbildung für das Höhere Lehramt. Parallel zu ihrem Studium sammelte sie praktische Erfahrungen einerseits bei der Agentur für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (AEE), andererseits beim Unterrichten an Sekundar- und Kantonsschulen. Von Juni 2007 bis Juni 2009 arbeitete Sonja Lüthi als Assistentin, Forscherin und Doktorandin am Institut für Wirtschaft und Ökonomie (IWÖ) der HSG in St. Gallen. Von Juli 2009 bis August 2010 absolvierte sie einen Forschungsaufenthalt an der UC Davis und UC Berkeley in Kalifornien. In ihrer Dissertation untersuchte sie die Wirksamkeit politischer Fördermechanismen aus Sicht der Entwickler und Investoren von erneuerbaren Energien (insbes. Solar- und Windenergie),  in Europa und den USA. Seit Januar 2011 arbeitet sie auf der Energiefachstelle des Kantons St.Gallen als Projektleiterin.



Agenda

Dienstag, 29. Mai 2012

a.o. Mitgliederversammlung zur Abstimmung vom 17. Juni 2012
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Mittwoch, 30. Mai 2012

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Welche Massnahmen führen erfolgreich zur Energiewende?
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Samstag, 30. Juni 2012

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„Urwald“ im Goldachtobel
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Samstag, 21. Juli 2012

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Wasserkraftwerk Kubel
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Samstag, 15. Sept. 2012

UFS-Gönneranlass - Flumroc AG in Flums
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Freitag, 16. Nov. 2012

Martini-Treffen 2012
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