Politik der
Verantwortung
Am 23. Juli
2011 traf sich eine stattliche Anzahl von Interessierten im Botanischen Garten
St. Gallen, um etwas über einheimische und exotische Pflanzen zu erfahren. Die
Führung, organisiert von den Umweltfreisinnigen St. Gallen im Rahmen des FDP-Sommerprogramms,
wurde von Frau Judith Untersee, einer Gartenpädagogin des Botanischen Gartens,
durchgeführt. Erster Halt war bei einem jugendlichen Exemplar des grössten
Lebewesens der Erde, dem Mammutbaum beim Eingang zum Garten. Erstaunlicherweise
gibt es von diesen imposanten Bäumen, welche in ihrer Rinde den Brandschutz
„eingebaut“ haben, in St. Gallen einige Exemplare, auch wenn sie selten die
volle Länge erreichen. Nach einem interessanten Vergleich mit einer
Seychellen-Nuss ging es weiter zu den Heil- und Giftpflanzen. Belladonna, die
Tollkirsche, ist wegen ihrer Ähnlichkeit mit Beeren und ihrem süssen Geschmack
gefährlich, diente in früheren Zeiten den Frauen aber nicht zur Ermordung des
Gatten, sondern zur Verschönerung des Blickes, da sie die Pupillen erweitert
und damit zu schönen dunklen Augen verhilft. Nicht weit von der Belladonna
findet sich die Rizinuspflanze, im Gegensatz zur Nachbarin nicht
wohlschmeckend, aber neben Heilzwecken durchaus auch bekannt für üble
Missetaten.
Nach dem
Besuc
h des Heilpflanzengarten ging es durch den asiatischen Urwald im
Miniaturformat, mit Begutachtung von „schwebenden Blättern“ weiter zu den
fleischfressenden Pflanzen. Diese täuschen auf etwas hinterhältige Art eine
Blume vor, um die Beuteinsekten anzulocken und zu verspeisen. Eindrücklich der
Blick in die Tiefe der Pflanze, wo ein Opfer dieser Machenschaften gerade
verdaut wurde. Weiter ging’s zu den uns mehr oder weniger bekannten
Ackerpflanzen, wo die Teilnehmer auch die Weber-Karde kennen lernten – eine
Pflanze, die früher in der Textilindustrie verwendet wurde und s
omit bestens
nach St. Gallen passt. Nicht nur wegen der wenig sommerlichen Temperaturen fand
auch der nachfolgende Rundgang im Tropenhaus grossen Anklang, angefangen bei
den Victoria-Seerosen, welche kleinen Booten gleich auf dem Wasserbecken
schwimmen, bis zu den Ingwerstauden. Die Pflanzen im Tropenhaus werden vor
Ungeziefer biologisch durch Geckos geschützt, die allerdings gerade nicht in
Laune waren, sich den Besuchern zu präsentieren.
Zum Abschluss wurde ein Apéro Riche auf der Plattform im Tropenhaus serviert, mit Blick direkt in den „Urwald“, und die Teilnehmenden tauschten sich ausgiebig über das Gesehene aus. Alle waren sich einig, dass der Besuch sich mehr als gelohnt hatte und sie sicher nicht zum letzten Mal in diesem kleinen Pflanzenparadies waren.
25.7.2011 / zw