Natur pur an Necker und Thur

Der Titel der Wanderung hat nicht zuviel versprochen: Bei strahlendem Sommerwetter wanderte eine Gruppe von rund 20 Personen unter der fachkundigen Leitung von Reto Zingg, Ökoberater und Ehrenmitglied der Umweltfreisinnigen St.Gallen, durch die Letzi in Lütisburg und Ganterschwil, durch das Gebiet Stutz an der Thur und durch den Naturerlebnisraum Brääg in Bazenheid.


Von Biber gefaellter BaumVon der alten Holzbrücke, die Lütisburg und Ganterschwil verbindet, erhielten wir einen eindrücklichen Einblick in die vielfältige Landschaft. Ein umgestürzter Baum lässt auf die Anwesenheit von Bibern schliessen. Othmar Gerschwiler, Gemeindepräsident von Ganterschwil, und Reto Zingg klärten uns darüber auf, wie es dazu kam, dass das früher von der Armee als Schiessplatz genutzte Gebiet Letzi wieder zu einem Auengebiet gemacht werden konnte, und dass wertvolle Naturräume unNeue Wasserlaeufe bei Stutzd menschliche Aufenthalte in der Natur sich nicht ausschliessen. Im Gebiet Stutz an der Thur wurden wir u.a. darüber informiert, wie wichtig Tümpel sind, die bei Hochwasser entstehen und später wieder austrocknen. Dort können Tiere eine Heimat finden, die bei ständigen stehenden Gewässern von Fischen als natürliche Räuber bedroht wären, z.B. die Gelbbauchunke. Aber auch über die Gefahren von Neophyten wie Wasserpest, Japanknöterich oder Drüsiges Springkraut wurden wir hingewiesen. Auch Schwarzmilane und Rotmilane konnten wir sehen und hören. – In jeder Hinsicht ein Naturerlebnis pur!


Flusskraftwerk MüelauIm lauschigen Haslen-Beizli mit wunderschönem Garten stärkten wir uns mit einem feinen Mittagessen. Imelda Stadler, Gemeindepräsidentin von Lütisburg , Kantonsrätin und Mitglied der Umweltfreisinnigen, informierte uns über das Dorf Lütisburg mit seinen zehn Brücken und zehn Restaurants. Nach kurzer Wanderung zum Flusskraftwerk Mülau zeigte uns Andreas Jossi, zukünftiger Geschäftsführer der Energie AG Kirchberg, das sich noch im Bau befindende neue Kraftwerk, das Stauwehr, die Fischtreppe für den Fischaufstieg und klärte uns über die Problematik des Fischabstiegs auf. Wir sind gespannt auf die weitere Ausgestaltung des Naturraumes unterhalb des Flusskraftwerks mit dem ehemaligen Kanal, der zum alten Flusskraftwerk führte.


Kornrade im Naturerlebnisraum BräägÜber eine steile Wiese hinauf kamen wir in das Gebiet von Bazenheid. Dort machte uns Christoph Häne, Gemeindepräsident von Kirchberg, mit seiner Gemeinde vertraut, die aus fünf Dörfern und rund hundert Weilern besteht und die grösste Landwirtschaftsgemeinde im Kanton St.Gallen und die zweitgrösste Landwirtschaftsgemeinde der Schweiz ist. Er klärte uns darüber auf, dass im Zusammenhang mit der grössten in der Schweiz laufenden Melioration verschiedene ökologische Vernetzungs-Projekte (Feuchtgebiete, Bachöffnungen, Heckenpflanzen etc.) verwirklicht wurden und erklärte uns, wie die strikte Anwendung des Verursacherprinzip bei der Kläranlage zur Eindämmung der Verschmutzung des Abwassers führte.


Anschliessend führte uns Reto Zingg durch den Naturerlebnisraum Bräägg, der als Realersatz im Rahmen der Umfahrungsstrasse Bazenheid erstellt wurde. Sehr eindrücklich ist der Findlingsweg mit verschiedenen Gesteinsarten.  Auf dem Acker mit alten Getreidesorten und Ackerbegleitflora blühten Mohn- und Kornblumen und die seltene Kornrade. Mit einem von Soldaten gebauten Steg im Bachbett unter der Strasse als „Trottoir“ für Tiere wie Füchse, Dachse etc. sind zwei Teile des Naturerlebnisraumes verbunden. Von einem Holzhäuschen aus können die Vögel auf und um den Baggerweiher beobachtet werden. Wir haben gelernt, dass Naturschutz nicht bedeutet, die Natur einfach wachsen zu lassen. In dunklen Wäldern ist die Artenvielfalt bedeutend geriDie Gruppe bei der Flussaufwertung Stutznger als wenn eine Lichtung geschlagen wird. Und auch eine Aue oder einen anderen Naturerlebnisraum zu errichten genügt nicht. Solche Plätze müssen gepflegt werden und es müssen Neophyten ständig bekämpft werden. Die Artenvielfalt ist für das Zusammenspiel in der Natur und die verschiedenen Naturkreisläufe ausserordentlich wichtig. Bekannt sind heute erst zwischen 2 und 20% der Arten. Doch jeden Tag sterben 100 Arten aus. Der Handlungsbedarf im Bereich Biodiversität ist deshalb dringend.

Müde und bereichert um viele neue Eindrücke löschten wir zum Schluss im Restaurant „Traube“ in Bräägg unseren Durst, bevor wir zum Bahnhof Bazenheid weiterzogen und von dort die Rückreise antraten. An dieser Stelle nochmals ein grosses Dankeschön an alle Beteiligten!

 

Nicole Zürcher Fausch, Präsidentin Umweltfreisinnige St.Gallen (UFS)


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