Politik der
Verantwortung
Die Umweltfreisinnigen luden die Regierungsratskandidaten Fredy Fässler, SP, und Martin Klöti, FDP, zu einer öffentlichen Diskussion im Bahnhof St. Gallen unter der Leitung von Elisabeth Zwicky Mosimann, Stadtparlamentarierin und Kantonsratskandidatin, ein. Im Umgang mit dem komplexen Thema kamen erstaunliche Übereinstimmungen und erwartete unterschiedliche Positionen zum Ausdruck.

Klöti
widersetzt sich angesichts der Finanzlage des Kantons diesen zusätzlichen Ausgaben und verweist auf
die bestehenden Förderprogramme des Bundes und des Kantons im Gebäudebereich.
Die Stadt St. Gallen nannte er als typisches Vorbildbeispiel.

Auf die
provokative Frage der Moderatorin, ob ein Benzinpreis von 5 Franken pro Liter
Benzin und mehr den Treibstoffverbrauch, insgesamt 35% des gesamten
Energieverbrauchs der Schweiz,
nachhaltig reduzieren könnte, zeigten sich beide Kandidaten resigniert.
Die Bevölkerung sei wohl schlicht nicht bereit, auf ihre hohen
Mobilitätsbedürfnisse zu verzichten. Ein Alleingang der Schweiz, denn der
Kanton St. Gallen habe beim Benzinpreis sowieso nichts zu sagen, kam für Klöti
aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage,
Fässler verwies auf die verbesserte Motorentechnologie als einzige
Hoffnung.
Beide
Kandidaten anerkennen den Wunsch der Bevölkerung, aus dem Atomstrom
auszusteigen. Einigkeit herrschte auch
darüber, dass dieser Ausstieg enormer Anstrengungen aller bedarf. Unbestritten
waren dabei die Massnahmen in Bezug auf Energieeffizienz. Während Fässler erneuerbare Energien massiv unterstützen und
auf allen Dächern und Scheunen Photovoltaikanlagen installieren will, ist Klöti
insbesondere im Hinblick auf den möglichen Beitrag der Photovoltaik deutlich
vorsichtiger. Da die Photovoltaikmodule möglichst billig sein müssen und Europa
gegen China hier nicht mithalten kann, beurteilt er die Chance für neu
entstehende Arbeitspl
ätze in der Schweiz durch die Produktion von
Photovoltaikanlagen mit grosser Skepsis. Zudem kritisieren beide Kandidaten die
intransparenten und aus Umweltaspekten bedenklichen Produktionsmethoden
chinesischer Solarpanels. Sie sind auch der Ansicht, dass die hiesige
Landwirtschaft mit Holz und Biomasse einen Beitrag leisten kann. Lebensmittel
wie Mais oder Getreide sollen aber aus ethischen Gründen nicht für Treibstoffe verwendet
werden.
Befragt auf ihren persönlichen Energiewende-Beitrag benutzen beide Kandidaten das Flugzeug kaum oder gar nicht, präsentierten sich aber nicht als Musterschüler, was vom Publikum als sympathisch honoriert wurde. Beim von den Umweltfreisinnigen offerierten Apéro wurde die Diskussion mit dem Publikum in ungezwungener Atmosphäre fortgesetzt.